Zum Hintergrund:
Wir, drei sehr gute Angelfreunde haben schon verschiedene Trips erlebt. Ägypten, Latham Island, Mexico. Hatten bisher aber immer irgendwie nen bissel Pech und wegen Wetter oder anderen Gründen an den guten Fischen vorbei geangelt. Aber Top Menschen kennen gelernt. Zum Beispiel Andrew und Eliza aus Holland. Ein angelverücktes Pärchen, die mittlerweile gute Freunde geworden sind.
Andrew hat vor drei Jahren entdeckt, dass es vor Südwestengland eine fantastische Buefin Tuna Angelei gibt und sich vor Ort entsprechend aufgestellt und uns eingeladen. Eigentlich wären wir schon letztes Jahr da gewesen, aber auf Grund der Wetterbedingungen mussten wir auf dieses Jahr verschieben. Eine gute Entscheidung. Drei Angeltage bei bestem Wetter an der englischen Riviera standen uns bevor.
Wir hatten großen Respekt vor dem was uns erwartet, aber die Realität ist natürlich noch einmal was ganz anderes. Die Fauna ist beeindruckend. Soviele Delfine wie in diesem Revier konnte ich bisher noch nirgendwo beobachten. Slack Tide war um die Mittagszeit und dann kamen die Thune zum Rauben an die Oberfläche. Am ersten Tag konnten wir mehrere Bisse auf Popper und Ronz verbuchen und einen Fisch in der 80kg Klasse haken und landen. Und hier wurde uns das erste Mal klar, auf was wir uns da eigentlich eingelassen haben. Ohne Erfahrung im Drill mit diesen Tieren aber Dank der Unterstützung von Andrew und unserem Captain Marc könnte dieses wunderschöne Tier nach rund 50min erfolgreich längsseits gebracht werden. Und hier war der Punkt erreicht, wo wir das erste Mal überlegt haben, den nächsten Blowup wirklich wieder anzuwerfen. Unterm Strich haben wir die Rute ca. 9x im Drill zwischen uns gewechselt. Der ein oder andere mag jetzt lachen, aber ehrlich: das ist mit keinem GT o.ä. zu vergleichen...man bekommt hier klar seine Grenzen aufgezeigt. Aber: wir waren glücklich!
Der zweite Tag begann mit dichtem Nebel, was das Spotten faktisch unmöglich machte. Ab Mittag standen wir mehrfach mitten in großen Blowups, aber die Fische wollten unsere Köder nicht. Egal was...war trotzdem geil....
Am dritten Tag hatten wir wieder bestes Wetter und ab Mittag sollte Wind kommen. Gegen 11 hakten wir den ersten Fisch. Und wir stellten uns schon deutlich professioneller an. Nach ca. 40 Minuten konnten wir den zweiten Fisch der Tour, diesmal ca. 10cm länger als der erste, landen. Im übrigen haben wir 20000er Saragossas dabei gehabt. Jede hat gerade so einen Fisch überlebt und musste danach wegen Krümmer Achse oder verschmorter Bremse aus dem Spiel genommen werden.
Kurz nachdem der Fisch releast wurde haben wir die nächste Frenzy angefahren. Und diesmal kam die Schule direkt auf uns zu. Mit dem Boot mitten im Fisch flogen die Köder und nach drei Sekunden ging die wilde Fahrt wieder los. Schnell war klar: der fisch ist ein anderes Kaliber...nach zweimal knapp Rolle leer und einer guten Stunde hatten wir das Tier in ca. 10m Entfernung das erste Mal in Sichtweite. Schätzung von Marc: 200kg +-10%... Danach hatten wir noch zehn Minuten das Vergnügen. Aber schon vorher konnten wir eine Macke in der Geflochtenen ausmachen und es kam was kommen musste - Schnurriss bei der nächsten harten Flucht am Boot. Der Wind hatte mittlerweile so zugenommen, dass wir uns darauf verständigt haben abzubrechen. Wir waren sowieso alle durch.
Resümee: Jurassic Park, anderes Level, nie wieder ohne Training. In meiner Brust schlagen zwei Herzen: einerseits: sofort wieder hin. Andererseits: das ist einfach zu dolle.... Andrew ist einfach ein geiler Typ der mit professioneller Einweisung und ständiger Motivation alles aus uns rausgeholt hat. Und ich weiß jetzt, dass da sehr viel Technik bei ist....Seine Freundin Eliza wiegt vielleicht 60kg und hält an der Rute zehn mal so lange durch wie wir Luschen. Großen Respekt nochmal an der Stelle!!! Wahrscheinlich machen wir das nochmal - jetzt erstmal Wunden lecken....